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Chronische Erkrankung – wie geht es weiter?

Es kann jeden treffen – man erkrankt an einer fortschreitenden Erkrankung und kann seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben. Welche finanziellen Ansprüche hat man nun und wie geht es weiter? Im laufenden Arbeitsverhältnis ist der Arbeitgeber zur Entgeltfortzahlung für die Dauer von sechs Wochen in Höhe der bisherigen Arbeitsvergütung verpflichtet. Danach schließt sich die Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse für die Dauer von längstens 78 Wochen an. Das Krankengeld beträgt in der Regel 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts. Während dieser Zeit stellt sich dann oft die Frage, ob eine Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit überhaupt möglich ist. Oft regt der behandelnde Arzt an, einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Rentenversicherung zu stellen. Ein Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung besteht, wenn die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen (ausreichende Pflichtbeiträge und erfüllte Wartezeit) und man voraussichtlich mindestens für sechs Monate oder auf Dauer wegen Krankheit oder Behinderung weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann. Bei Personen, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, wird außerdem geprüft, ob Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente besteht. Dabei kommt es auf den erlernten und zuletzt ausgeübten Beruf an. Für alle anderen ist der allgemeine Arbeitsmarkt für die Frage der Erwerbsfähigkeit ausschlaggebend. Ob die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kann jeder bei der Deutschen Rentenversicherung in Erfahrung bringen. Ob die medizinischen Voraussetzungen vorliegen, wird im Rentenantragsverfahren von der Deutschen Rentenversicherung geprüft. Oft kommt es dabei zur Ablehnung des Rentenantrages, so dass sich in der Regel ein Widerspruchs- sowie ggf. ein Klageverfahren vor dem Sozialgericht anschließt. Ratsam ist es, sich in einem solchen Verfahren durch einen im Sozialrecht erfahrenen Rechtsanwalt vertreten zu lassen, denn nur dieser hat ein Akteneinsichtsrecht und kann prüfen, ob die Rentenversicherung die Anspruchsvoraussetzungen zutreffend geprüft hat. Während eines langwierigen Rentenverfahrens endet dann oftmals die Krankgeldzahlung und es stellt sich die Frage, wie es finanziell weiter gehen soll. Viele wissen nicht, dass während eines Rentenverfahrens nach der Aussteuerung durch die Krankenkasse auch bei Vorliegen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses ein Anspruch auf Arbeitslosengeld nach der so genannten „Nahtlosigkeitsregelung“ besteht. Die Zahlung von Arbeitslosengeld nach § 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III kommt typischerweise in Betracht, wenn ein dauerhaft leistungsgeminderter Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Krankengeld ausgeschöpft hat, ehe der Rentenversicherungsträger über eine Rente wegen voller Erwerbsminderung entschieden hat und läuft ggf. bis zum rechtskräftigen Abschluss des Rentenverfahrens.

Ich biete Ihnen Rechtsberatung und -beistand in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten in meiner Kanzlei in der Mühlentorstraße 3 in Brandenburg. Termine können telefonisch unter 0 33 81 / 20 84 91 vereinbart werden.

05.04.2014

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